Batteriespeicher: Schlüsseltechnologie für Bürgerenergiegenossenschaften

Die Energiewende in Deutschland lebt von der dezentralen Erzeugung erneuerbarer Energien. Bürgerenergiegenossenschaften wie die unsere spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Photovoltaik- und Windkraftanlagen gemeinschaftlich betreiben. Doch die größte Herausforderung bleibt: Wie lässt sich der erzeugte Strom effizient nutzen, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht? Die Antwort liegt in Batteriespeichern.

Warum Batteriespeicher wichtig sind

Batteriespeicher ermöglichen es, überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen zwischenzuspeichern und bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen. Sie sorgen für Flexibilität bei der Energienutzung, stabilisieren die Netze durch Zwischenspeicherung des Solarstroms und reduzieren Lastspitzen. Für Bürgerenergiegenossenschaften bedeutet das: weniger Abhängigkeit von schwankenden Einspeisevergütungen. So fielen in diesem Jahr die Energieerzeugungspreise durch ein Überangebot von Energie in Deutschland in knapp 600 Stunden unter null Euro. Davon sind insbesondere unsere Anlagen in der Direktvermarktung wie große Dachanlagen und die Freiflächenanlage in Iserlohn-Letmathe betroffen. Deshalb werden bundesweit derzeit auch viele Solaranlagen in Kombination mit Batteriespeichern errichtet.

Vorteile für Bürgerenergiegenossenschaften

Der Einsatz von Batteriespeichern eröffnet uns neue Chancen. Erstens reduzieren wir die Zeiten, in denen wir nur wenig für die generierte Kilowattstunde erlösen können. Zweitens könnten wir zusätzliche Einnahmen erzielen, indem wir Speicherkapazitäten für den Intradayhandel oder den Regelenergiemarkt bereitstellen wenn wir den Speicher nicht benötigen. Drittens steigern wir den Eigenverbrauch, was die Wirtschaftlichkeit erhöht, wenn wir beispielsweise Ladestationen für in der Nacht ladende E-Autos betreiben würden. Und viertens bleibt die Wertschöpfung in der Region: Investitionen in Speichertechnologie stärken lokale Gemeinschaften und schaffen Arbeitsplätze.

Herausforderungen und Rahmenbedingungen

Trotz der Vorteile gibt es Hürden. Die Anschaffungskosten sind nach wie vor hoch, auch wenn die Preise für Lithium-Ionen-Batterien kontinuierlich sinken. Hinzu kommen wirtschaftliche und praktische Fragen: Regulierungsvorgaben müssen eingehalten, Förderprogramme gesichtet, steuerliche Aspekte berücksichtigt und die Integration in die Energieanlagen geplant und durchgeführt werden. Technisch sind Lebensdauer, Recycling und Sicherheitsstandards entscheidend, um langfristig nachhaltige Lösungen zu schaffen.

Ausblick

Mit sinkenden Kosten und neuen Geschäftsmodellen werden Batteriespeicher zunehmend erschwinglich. In Kombination mit Sektorkopplung – etwa der Verbindung von Strom, Wärme und Mobilität – entstehen innovative Konzepte für eine vollständig erneuerbare Energieversorgung. Für uns als Bürgerenergiegenossenschaft sind Batteriespeicher nicht nur eine technische Ergänzung, sondern ein strategischer Schritt in Richtung Unabhängigkeit und Klimaschutz.
Fazit: Batteriespeicher sind mehr als nur ein Puffer für überschüssigen Strom. Sie sind ein zentraler Baustein für eine dezentrale, bürgergetragene Energiewende in Deutschland.

Autor: Carsten Welge, 12/2025